Gastkommentar

Ladesysteme müssen im Alltag so einfach wie möglich funktionieren

04.07.17 | Redakteur: Thomas Kuther

Peter Wambsganß: Director of Business Development AIMM, Europe, beim Technologieunternehmen WiTricity.
Peter Wambsganß: Director of Business Development AIMM, Europe, beim Technologieunternehmen WiTricity. (Bild: WiTricity)

Elektroautos sind in aller Munde und Hersteller bringen immer neue Produkte auf den Markt. Eines ist sicher: Elektrofahrzeugen gehört die Zukunft. Wie aber ist es dabei um die Ladeinfrastruktur bestellt?

WiTricity entwickelt Ladesysteme mit kontaktloser Energieübertragung für Elektroautos. Die Vereinfachung der Lade­infrastruktur und simple Handhabung der Geräte sind uns wichtig. Eine komfortable und effiziente Stromversorgung stärkt die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen.

Ein weiteres Anliegen ist Inter­operabilität beim Laden. Wenn wir das aktuelle Marktgeschehen betrachten, sehen wir, dass es darum geht, ein einheitliches Ladesystem zu finden, das mit allen Fahrzeugen funktioniert. Weiter braucht es eine Ladeinfrastruktur, die es uns möglich macht, in jeder Alltagssituation praktisch laden zu können. Und genau da knüpfen wir an und suchen nach Lösungen.

Ein Beispiel ist das DRIVE-System, an dem wir derzeit arbeiten. Es funktioniert mit allen Fahrzeugtypen und ist zudem nicht an die heimische Garage gebunden, sondern flexibel einsetzbar, denn es kann Energie durch Asphalt hindurch übertragen. Das gibt uns die Möglichkeit, das System unter den Straßenbelag zu integrieren.

Die Handhabung ist denkbar einfach: Der Fahrer stellt das Auto einfach über der Ladeplatte ab und braucht sich sonst um nichts zu kümmern. Sie verbindet sich durch magnetische Resonanz und damit ohne Kabel mit der entsprechenden Kontaktplatte am Unterboden des Autos. Dabei ist es auch kein Problem, 25 cm Bodenfreiheit eines SUVs zu überbrücken. Zuhause ist die Bedienung genauso einfach: Das Auto parkt über der Ladeplatte auf dem Garagenboden und wird geladen. Diese Lösung ist benutzerfreundlich und effizient. Was die Vereinfachung der Ladeinfrastruktur angeht, sind wir also auf einem guten Weg. In einigen Jahre wird es sogar einen Standard beim kontaktlosen Laden geben.

Die Standardisierung kontaktloser Lademöglichkeiten wird in Etappen erfolgen und nicht auf einen Schlag. Die SAE International Task Force ist ein Standardisierungsgremium und hat sich im Januar diesen Jahres auf die wichtigsten technischen und verfahrensrechtlichen Elemente für die Standardisierung geeinigt. Die Rahmenbedingungen für ein einheitliches Ladesystem sind somit auf den Weg gebracht und Laden im Alltag wird dadurch wieder ein Stück weit einfacher.

Voraussichtlich wird bereits im nächsten Jahr die erste Ausgabe eines Standards vorliegen und die Basis für die Entwicklung von kontaktlosen Ladesystemen bilden, die zu sämtlichen Fahrzeugplattformen kompatibel sind und vermutlich 2020 auf den Markt kommen. Das Thema hält jedoch noch einige Herausforderungen bereit, die uns über 2020 hinaus beschäftigen und den Komfort beim Laden weiter optimieren werden. Dazu zählt zum Beispiel das kontaktlose Laden an roten Ampeln mithilfe von Ladesystemen unter dem Straßenbelag.

Kontaktlose Ladestationen sind zunächst einmal für Fahrzeuge des Premiumsegments vorgesehen, die in privaten Garagen geladen werden. Dann werden schrittweise kleinere Modelle folgen. Im Anschluss können wir mit so genanntem Opportunity-charging rechnen. Das bedeutet, dass Elektrofahrzeuge beispielsweise auch auf Supermarktparkplätzen oder öffentlichen Parkhäusern kontaktlos laden können. In der Praxis wird es wohl so sein, dass wir eine Kombination aus kontaktlosem Laden Zuhause, Opportunity-charging und traditionellem Plug-in für Quickcharging haben. Wir können sagen, dass die technische Entwicklung darauf abzielt, Ladesysteme weiter zu vereinfachen, damit sie im Alltag so einfach wie möglich zu handhaben sind.

Komfort ist auch das Stichwort für die weitere Zukunft. Lassen Sie uns von der Vision ausgehen, dass autonome Fahrzeuge selbstständig unterwegs sind. Es ist klar, dass dies für die Ladeinfrastruktur nicht folgenlos ist. Es wäre ziemlich kontraproduktiv, wenn Autos selbstständig fahren, sich aber nicht alleine mit Strom versorgen können. Die Ladeinfrastruktur wird daher an autonome Fahrzeuge angepasst und der Mensch dabei aus der Verantwortung genommen.

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Mehr über induktives Laden im Video:

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