Aufgemerkt

Doppel-Jubiläum für die Elektromobilität

20.01.16 | Redakteur: Peter Koller

Siemens Electromote: Der Prototyp des ersten elektrischen Oberleitungsbusses, dargestellt auf einer zeitgenössischen Postkarte
Siemens Electromote: Der Prototyp des ersten elektrischen Oberleitungsbusses, dargestellt auf einer zeitgenössischen Postkarte (Wikimedia)

Der 29. April ist für die Elektromobilität ein doppelt wichtiges Datum: An diesem Tag im Jahr 1882 fuhr der erste elektrische Oberleitungsbus, 1899 erreicht ein Elektroauto als erstes Landfahrzeug mehr als 100 km/h.

Die beiden Jahrestage erinnern uns daran, dass die Elektromobilität keineswegs eine Erfindung der jüngsten Zeit ist, sondern schon eine lange Geschichte vorzuweisen hat. Und diese Anfänge der E-Mobility sind untrennbar verbunden mit dem Namen Siemens. Ab dem 29. April 1882 erprobte Werner von Siemens den elektrischen öffentlichen Nahverkehr in Berlin Halensee mit dem Prototyp des Electromote (electric motion). Es handelte sich dabei um einen offenen Kutschwagen, einen Landauer, das elektrisch angetrieben und über eine Oberleitung mit Strom versorgt wurde.

Der Kutschwagen war mit zwei Elektromotoren ausgestattet, die jeweils 2,2 Kilowatt Leistung hatten – und das Gewicht des Wagens von 400 Kilogramm auf 1,5 Tonnen brachten. Ihre Gleichspannung von rund 550 Volt bekamen sie über eine Oberleitung, auf der ein Kontaktwagen an einem flexiblen Kabel hinterhergezogen wurde. Diese Laufkatze wurde im englischen Trolley genannt – daher kam auch die Bezeichnung Trolleybus für Oberleitungsbusse im angloamerikanischen Raum.

Nur drei Jahre zuvor hatte Siemens auf der Berliner Gewerbeausstellung des Jahres 1879 die erste elektrische Eisenbahn der Welt vorgestellt. Nun wurde auf der 540 Meter langen Teststrecke der Electromote die Übertragung des Prinzips von den Gleisen auf die Straße erprobt. Allerdings sollte es noch bis 1900 dauern, bis die ersten Oberleitungsbusse regulär in Paris ihren Dienst aufnahmen.

Die Höchstgeschwindigkeit der Electromote ist nicht überliefert, Bilder aus jener Zeit lassen aber eher eine bedächtige Fortbewegung erahnen. Deutlich schneller zur Sache ging es 17 Jahre später mit dem Elektroauto La Jamais Contente ("Die nie Zufriedene"). Der Wagen war eine Entwicklung des belgischen Ingenieurs Camille Jenatzy. Er war Chef einer Firma, die LKWs mit Elektroantrieb baute und wollte den bestehende Temporekord für Elektroautos von 62,78 km/h brechen.

Das dazu gebaute Fahrzeug war seiner Zeit zumindest teilweise weit voraus. Die Torpedo-förmige Karrosserie aus einer Aluminium-Wolfram-Magnesium-Legierung war sehr leicht und hatte vor allem wesentlich weniger Luftwiderstand als andere Fahrzeuge dieser Zeit. Ein Vorteil, der allerdings durch die hoch aufragende Sitzposition des Fahrers und die freiliegenden Reifen gleich wieder aufgewogen wurde.

Trotzdem reichte es am 29. April 1899 dafür, den bestehenden Rekord weit zu übertreffen. Angetrieben von zwei Elektromotoren mit jeweils 25 kW brachte es Janetzky in der La Jamais Contente – angeblich eine Anspielung auf seine Ehefrau – auf einer zwei Kilometer langen Strecke auf ein Spitzentempo von 105,882 km/h. Zum ersten mal hatte ein Landfahrzeug mehr als Tempo 100 erreicht.

Mehr Höhepunkte aus der Geschichte der Elektronik und Elektrotechnik in der folgenden Bildergalerie:

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