Elektromobilität

Mit Elektromotoren von Siemens flüsterleise über den Königssee

02.06.15 | Redakteur: Sandra Häuslein

(Bild: Siemens AG/ Pictures of the Future)

Seit mehr als 90 Jahren fahren die Boote auf dem bayerischen Königssee mit Elektromotoren aus dem Hause Siemens. Da die alten Antriebe in die Jahre gekommen sind, sollen sie ausgetauscht werden: mit dem gleichen Modell wie von 1958 – eine konstruktive Herausforderung.

Ein Meer aus Fahnen empfängt Klaus Hunsicker in Schönau am Königssee in Oberbayern. Der Siemens-Ingenieur bahnt sich seinen Weg durch die Fußgängerzone, vorbei an zahlreichen Geschäften, in denen Trachten und Souvenirs angeboten werden.

Der Geruch von frisch gebackenen Brezen liegt in der Luft. Langsam wird der Blick frei auf den weltberühmten Königssee. Wie ein Fjord liegt das smaragdgrüne Wasser vor ihm im Tal, eingerahmt von steilen Felswänden, beherrscht durch das knapp 2700 m hohe Watzmannmassiv. Knapp 8 km lang, bis zu 190 m tief – insgesamt über 500 Millionen m³ Wasser, das man auch problemlos trinken könnte.

Sonderanfertigung speziell für den Königssee

Klaus Hunsicker ist in besonderer Mission unterwegs. Die Schiffsflotte der Bayerischen Seenschifffahrt benötigt mehrere neue Elektromotoren für ihre Boote. Die Herausforderung dabei: Es soll der gleiche Motortyp wie 1958 sein, eine Sonderanfertigung von Siemens speziell für den Königssee. Hier kommt Hunsicker ins Spiel. Als Leiter des Siemens Repair Centers ist er Spezialist für den Nachbau von Motoren und dafür weltweit im Einsatz. In der Werft direkt am See trifft er Michael Brandner, den Technischen Leiter und Herr über 18 Elektroboote.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts verkehren auf dem Königssee mit Siemens-Motoren angetriebene Elektroboote. Bis dahin wurden die Gäste mit Ruderbooten von sogenannten „See-Knechten“ über den See befördert. Möglich machte die Elektrobootära die 1909 eröffnete und inzwischen stillgelegte Eisenbahnstrecke, die Strom für die Akkus der Elektroschiffe bereitstellte – neben den Zügen lieferte Siemens damals auch die Technik für das Kraftwerk Gartenau bei Berchtesgaden.

Bei der Entscheidung für den elektrischen Antrieb stand 1909 allerdings noch nicht der Umweltschutzgedanke im Vordergrund. Prinzregent Luitpold sah sein Jagdgebiet am Königssee durch den Lärm von Verbrennungsmotoren gefährdet, der das Wild hätte verschrecken können. Die Anschaffung der lautlos über den See gleitenden Elektroboote war daher ganz in seinem Sinne. Eröffnet wurde die Elektroschifffahrt mit dem von den Siemens-Schuckert-Werken gelieferten Elektroboot „Akkumulator“.

Es folgten bald weitere Boote, alle mit Siemens-Elektromotoren. Sie setzten sich aufgrund ihrer Zuverlässigkeit, Emissionsfreiheit und der niedrigen Betriebskosten durch. Die noch heute eingesetzten 110-Volt-Reihenschlussmotoren aus dem Baujahr 1958 erreichen bei einer Leistung von rund 9 kW eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 12 km/h. Sie legen pro Betriebstag etwa 120 km Strecke zurück und verbrauchen dafür knapp 80 % ihrer Akkuladung.

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