eCarTec 2014

Lade-Roaming für Elektroautos beendet den Kartensalat

23.10.14 | Redakteur: Thomas Kuther

Wollen dem Kartenwirrwarr an öffentlichen Ladesäulen ein Ende bereiten (von links): Nicolai Woyczechowski, Hubject GmbH; Johannes Fähndrich, DAI-Labor - Technische Universität Berlin; Johannes Eisele, Berliner Agentur für Elektromobilität eMO; Nico Weiner, Bosch Software Innovations GmbH;
Wollen dem Kartenwirrwarr an öffentlichen Ladesäulen ein Ende bereiten (von links): Nicolai Woyczechowski, Hubject GmbH; Johannes Fähndrich, DAI-Labor - Technische Universität Berlin; Johannes Eisele, Berliner Agentur für Elektromobilität eMO; Nico Weiner, Bosch Software Innovations GmbH; (Bild: eMO)

Ein Ende des Wirrwarrs beim Laden von Elektroautos an öffentlichen Ladesäulen ist in Sicht: Die vier „Schaufenster Elektromobilität“ beseitigen die wichtigsten technischen Hindernisse für ein anbieterübergreifendes Laden und machen damit den Weg frei für ein integriertes E-Roaming für die öffentlichen Ladeinfrastruktur.

Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg dorthin wurde im Rahmen der eCarTec in München vorgestellt und in der Praxis vor Ort sowie in den Schaufenster-Regionen demonstriert: An öffentlichen Ladesäulen der Schaufensterregionen soll dem Jonglieren mit verschiedenen Karten, Kennwörtern, SMS oder gar Münzeinwurf ein Ende bereitet werden. „Für die Akzeptanz der Elektromobilität ist eine funktionierende E-Roaming-Lösung über einzelne Anbieter hinweg ein entscheidender Schritt“, betont Franz Loogen, Chef des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg, das zusammen mit Partnerunternehmen und dem Schaufenster Niedersachsen federführend beim Lade-Roaming war. Eingebunden waren zudem die Schaufenster Berlin-Brandenburg und Bayern-Sachsen.

Auf dem Weg zu einer kundenfreundlichen Ladeinfrastruktur

Die unterschiedlichen Zugangssysteme an öffentlichen Ladesäulen erweisen sich im Alltag als hinderlich, sobald der Kunde den Bereich seines Ladesäulenbetreibers verlässt oder Ladesäulen anderer Anbieter anfährt. „Die Schaufenster Elektromobilität bieten die Chance, um in Zusammenarbeit mit wichtigen Akteuren im Markt endlich zu einer kundenfreundlichen Ladeinfrastruktur zu kommen. Diese Möglichkeit nutzen wir. Damit entsteht neben wichtigen Forschungsergebnissen ein echter Mehrwert für die Nutzer“, erläutert Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg, die die Projektleitstelle für das Schaufenster in Niedersachsen unterhält.

Schaufenste Elektromobilität zeigt technischen Machbarkeit

Der Nachweis der technischen Machbarkeit durch die Schaufenster Elektromobilität ist ein wichtiger Schritt, auch weitere Marktakteure dazu zu bringen, sich zu vernetzen. Beseitigt werden die hohen Anfangshürden des Zugangs zur Ladesäule (Authentifizierung) und die Eröffnung eines autorisierten Ladevorgangs. Dabei wurde insbesondere an den notwendigen Daten-Standards gearbeitet, etwa bei der Kodierung der Identifikationsnummer auf der Kundenkarte oder bei den Nachrichten, die von System zu System geschickt werden. Eingebracht haben sich führende Unternehmen aus zehn Projekten des Schaufenster-Programms, darunter Bosch Software Innovations, EnBW, Hubject sowie T-Systems.

80% der öffentlichen Ladepunkte sind bereits abgedeckt

Konkret waren in den vier Schaufenstern Elektromobilität zehn Unternehmen und Institutionen in die technischen Arbeiten eingebunden. Hinzu kamen etwa 20 Projektpartner und Unternehmen mit indirekten Beiträgen, beispielsweise zum Handling von Abrechnungsprozessen, zur Kunden- und Kartenverwaltung oder Hardwareherstellung und -anpassung. Im Zuge dieser Vernetzung durch die Schaufenster-Initiative werden bereits 80% der derzeit mehr als 4400 öffentlichen Ladepunkte an mehr als 2000 Ladestationen abgedeckt. In Berlin können in kürze rund 265 Ladepunkte über das Roaming genutzt werden. „Damit bekommen E-Mobilisten aus allen Regionen Deutschlands freien Zugang zum Laden und können sich darauf verlassen, auch in der Hauptstadt mobil zu bleiben,“ so Gernot Lobenberg, Leiter der Berliner Agentur für Elektromobilität eMO.

„Elektromobilität muss einfach und verlässlich sein. Dazu leisten wir durch die enge schaufensterübergreifende Zusammenarbeit einen entscheidenden Beitrag.“, ergänzt Kai Florysiak. In den nächsten Monaten wollen die Projektpartner weitere Nutzungsoptionen für das Roaming erarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei dann die Freischaltung einer Ladestation per Smartphone-App, gefolgt von der Reservierung einer Ladesäule. „In den Schaufenstern Elektromobilität haben wir die Machbarkeit eines interoperablen Roaming-Systems demonstriert, jetzt ist es an den Marktteilnehmern im zweiten Schritt die notwendigen kaufmännischen Vereinbarungen für Datenaustausch und Abrechnungsmodelle zu treffen“, so Loogen. „Je mehr Marktteilnehmer sich beteiligen, desto schneller entsteht eine kundenfreundliche Ladestruktur.“ So könne Deutschland wichtige Pluspunkte als Leitmarkt für Elektromobilität sammeln, umso mehr als jederzeit auch die Einbindung europäischer Partner möglich ist.

Detaillierte Regelung der IT-Schnittstellen

Im Mittelpunkt der technischen Arbeiten stand die detaillierte Regelung der IT-Schnittstellen, um die komplexe Freigabe-Kette von Ladesäulen und IT-Systemen zwischen unterschiedlichen Ladesäulenbetreibern zu ermöglichen. Das typische Ladeszenario läuft automatisiert in den folgenden Schritten ab: Ein E-Fahrzeugnutzer hält seine Kundenkarte an das Lesegerät der Ladestation; die Karte wird ausgelesen. Das IT-System gleicht nun die Kartennummer zunächst mit dem eigenen Kundenkartenregister des Ladesäulenbetreibers ab. Ist die Kundenkarte beim Betreiber der Ladesäule unbekannt, leitet das IT-System die Kartennummer zur Abklärung an eine E-Roaming-Plattform. Von dort werden nacheinander die angebundenen Mobilitätsanbieter und weitere E-Roaming-Plattformen angefragt; ist die Kundennummer einem dieser Anbieter bekannt, erfolgt die Freigabe. Diese wird zur Ladestation zurückgeleitet; der Ladevorgang kann beginnen.

Die Partnerunternehmen

Konkret waren in den vier Schaufenstern Elektromobilität 10 Unternehmen und Institutionen in die technischen Arbeiten eingebunden. Hinzu kamen etwa 20 Projektpartner und Unternehmen mit indirekten Beiträgen, beispielsweise zum Handling von Abrechnungsprozessen, zur Kunden- und Kartenverwaltung oder Hardwareherstellung und -anpassung.

In den nächsten Monaten wollen die Projektpartner weitere Nutzungsoptionen für das Roaming erarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei dann die Freischaltung einer Ladestation per Smartphone-App, gefolgt von der Reservierung einer Ladesäule. „In den Schaufenstern Elektromobilität haben wir die Machbarkeit eines interoperablen Roaming-Systems demonstriert, jetzt ist es an den Marktteilnehmern im zweiten Schritt die notwendigen kaufmännischen Vereinbarungen für Datenaustausch und Abrechnungsmodelle zu treffen“, so Franz Loogen, Chef des Schaufensters Elektromobilität Baden-Württemberg. „Je mehr Marktteilnehmer sich beteiligen, desto schneller entsteht eine kundenfreundliche Ladestruktur.“ So könne Deutschland wichtige Pluspunkte als Leitmarkt für Elektromobilität sammeln, umso mehr als jederzeit auch die Einbindung europäischer Partner möglich ist.

ID-Nummern für das reibungslose öffentliche Laden

Eine andere wichtige Grundlage für das reibungslose öffentliche Laden wurde bereits im vergangenen Jahr geschaffen: Hier wurde der Standard für die ID-Nummern entwickelt, mit deren Hilfe Elektroauto-Nutzer, Ladesäulen-Betreiber und Stromanbieter eindeutig identifizierbar sind. Die ID-Nummern werden seit Anfang 2014 vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) verwaltet und sind Grundlage für die jetzige Roaming-Architektur.

Das Schaufensterprogramm Elektromobilität

Mit dem Programm „Schaufenster Elektromobilität“ hat die Bundesregierung ein neues Instrument eingeführt, um die Kompetenzen der Bereiche Energieversorgung – Elektrofahrzeug –Verkehrssystem systemübergreifend zu bündeln und in regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben (Reallabors) zu erproben. Es ist in die vier Schaufensterregionen Baden-Württemberg (LivingLab BWe mobil), Berlin-Brandenburg (Internationales Schaufenster Elektromobilität Berlin-Brandenburg), Niedersachen (Unsere Pferdestärken werden elektrisch) und Bayern-Sachsen (ELEKTROMOBILITÄT VERBINDET) gegliedert. Beteiligt sind über 500 Projektpartner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kammern, Verbänden und der öffentlichen Hand. Bis 2016 werden insgesamt 90 Verbundprojekte mit 334 Teilvorhaben realisiert. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf knapp 300 Mio. €, darunter 180 Mio. € Fördermittel der Bundesregierung.

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Nur 80% der derzeit mehr als 2000 Ladestationen? D.h. nur 1.600 vernetzte Ladesäulen. In...  lesen
posted am 27.10.2014 um 13:20 von Unregistriert

Erinnert mich an http://xkcd.com/927/ Warum nicht einfach EC- oder Kreditkarten akzeptieren?  lesen
posted am 27.10.2014 um 10:23 von Unregistriert


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