Elektromobile Zukunft

Morgen fahren wir auf elektrischen Straßen

17.06.13 | Redakteur: Thomas Kuther

Auf einer 400 m langen Teststrecke bei Götheborg testet Volvo das Stromschienensystem seit Herbst letzten Jahres
Auf einer 400 m langen Teststrecke bei Götheborg testet Volvo das Stromschienensystem seit Herbst letzten Jahres (Bild: Volvo Group)

Stellen Sie sich ein Zukunft vor, in der Elektro-Lkws und Busse mit Strom versorgt werden, ohne dass sie schwere Akkus mitschleppen müssen. Die benötigte Energie liefern Stromschienen in der Fahrbahndecke. So könnte die Lösung für Lkws und Busse im Fernverkehr der Zukunft aussehen.

Volvo hat bereits viel Erfahrung mit elektrischen Antrieben gesammelt, aber wer in Sachen nachhaltiger Transportlösungen weltweit führend sein will, muss noch mehr Lösungen finden, mit deren Hilfe Fahrzeuge mit nachhaltig erzeugter Energie angetrieben werden. Ein großer Teil dieser Energie wird in Form von Elektrizität übertragen werden. Wie auch immer, die Herausforderung ist, das Fahrzeug immer dann mit Strom zu versorgen, wenn er gebraucht wird.

Brauchbare Lösungen für den Fernverkehr gesucht

Mats Alaküla ist davon überzeugt, dass sich E-Fahrzeuge im Fernverkehr kosteneffizient über elektrische Straßen versorgen lassen
Mats Alaküla ist davon überzeugt, dass sich E-Fahrzeuge im Fernverkehr kosteneffizient über elektrische Straßen versorgen lassen (Bild: Volvo Group)

„Im Stadtverkehr gibt es bereits eine ganze Reihe von Lösungen und wir sind ständig auf der Suche nach weiteren. Wir führen Feldversuche durch, in denen Plug-in-Elektrobusse mit Akkus ausgestattet sind, die während der kurzen Stopps an Haltestellen via Schnellladung nachgeladen werden können“, erklärt Mats Alaküla, Elektrofahrzeug-Experte bei Volvo und Professor an der Universität Lund.

Fernbusse und -Lkws halten nur unregelmäßig

Diese Konzepte funktionieren im Fernverkehr natürlich allerdings nicht. Fernbusse und –Lkws halten unregelmäßig und müssten deshalb so viele Akkus mitschleppen, dass kein Platz mehr für Fracht oder Passagiere wäre. Deshalb ist eine Lösung erforderlich, bei der das E-Fahrzeug kontinuierlich von einer externen Quelle mit elektrischer Energie versorgt wird.

Großes schwedisches Forschungsprojekt

Volvo engagiert sich in einem großangelegten schwedischen Forschungsprojekt, das von der schwedischen Energieagentur unterstützt wird, und in dessen Rahmen nach entsprechenden Lösungen gesucht wird. Ebenfalls beteiligt sind Das Schwediosche Verkehrsministerium, Vattenfall, verschiedene Hochschulen, Fahrzeughersteller und Zulieferer.

Stromschienen versorgen Elektrofahrzeuge

Derzeit entwickelt und testet Volvo ein Konzept zusammen mit Alstom, bei dem zwei Stromschienen auf der gesamten Fahrbahnlänge in der Fahrbahndecke eingebaut werden. An Bord des Fahrzeugs befindet sich ein Stromkollektor, der über den Kontakt mit diesen Schienen Strom abgreifen kann.

Nicht gebrauchte Leitungsabschnitte sind passiv

„Auf diese Weise lassen sich Fahrzeuge permanent mit Energie versorgen, ohne dass sie große Akkus mitschleppen müssen“, erläutert Mats Alaküla. „Die Stromschienen sind dabei in einzelne Abschnitte unterteilt, wobei immer nur der Abschnitt aktiv ist, der gerde Kontakt mit dem Kollektor des Fahrzeugs hat.“

Im vergangenen Jahr hat Volvo eine 400 Meter lange Teststrecke in Hällered bei Götheborg aufgebaut, auf der dieses System seitdem erprobt wird

Dummyload verbrät Energie

Richard Sebestyen mit dem Stromkollektor am Heck des test-Trucks
Richard Sebestyen mit dem Stromkollektor am Heck des test-Trucks (Bild: Volvo Group)

„Derzeit testen wir, wie sich der Strom von der Straße an Bord des Fahrzeugs übertragen lässt. Dabei fließt die Elektrizität in ein wassergekühltes Heizelement, das etwa die gleiche Leistung zieht wie ein entsprechender Elektroantrieb“, erklärt Richard Sebestyen, Projekt-Manager bei der Volvo-F&E-Abteilung.

Es gibt noch viel zu tun ...

Dennoch bleibt noch eine ganze Menge zu tun, bis wir das umsetzen können. So müssen der Stromkollektor, der Elektroantrieb und die Steuersysteme weiterentwickelt werden. Aber auch Themen wie Straßenbau, Fahrbahnwartung und die Energieverteilung entlang der Fernstraßen sowie verschiedene Bezahlsysteme müssen noch geklärt werden.

Heute in die Systeme von morgen investieren

„Es werden noch viele Jahren vergehen, bis wir das umsetzen können“, meint Mats Alaküla. „Aber wenn wir nachhaltige Verkehrskonzepte erfolgreich voranbringen wollen, müssen wir massiv in die Forschung investieren – und zwar jetzt! Ich bin davon überzeugt, dass wir eine kosteneffiziente Lösung finden werden, mit der sich Fahrzeuge auf Fernstrecken mit elektrischer Energie versorgen lassen – und mit unseren Forschungen sind wir schon ganz schön weit …“

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