Vom Design zur Fertigung – PC-Systeme made in Germany

02.10.17 | Autor: Margit Kuther

Papierlose Fertigung: Auf einem Display erhält jeder einzelne Mitarbeiter die Information, die er für den nächsten Arbeitsschritt gerade benötigt.
Papierlose Fertigung: Auf einem Display erhält jeder einzelne Mitarbeiter die Information, die er für den nächsten Arbeitsschritt gerade benötigt. (Bild: Fujitsu)

Das Fujitsu-Werk in Augsburg ist die einzige verbliebene PC-Fertigung in Deutschland. Zudem unterhält Fujitsu dort Entwicklung und eigene Testlabore. Vera Schneevoigt im Gespräch mit der ELEKTRONIKPRAXIS.

ELEKTRONIKPRAXIS: Frau Schneevoigt, was ist das Besondere am Fujitsu-Werk auf dem Campus Augsburg?

Vera Schneevoigt, Fujitsu: Das Fujitsu-Werk in Augsburg ist einer der weltweit modernsten Produktionsstandorte für Mainboards, Personal Computer, Workstations, Notebooks, Server und Speichersysteme und das einzig verbliebene in Deutschland. Wir liefern international aus, auch nach Japan. Aktuell sind rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Täglich werden bis zu 21.000 Units gefertigt und monatlich rund 10.000 neue Konfigurationen und Modifikationen umgesetzt.

Was zeichnet Fujitsu Augsburg noch aus?

In Augsburg wird nicht nur produziert. Etliche Produkte werden hier entwickelt, getestet und auch nach der Produktion und dem Verkauf unterstützen wir unsere Kunden etwa durch Support. Wir sprechen von unserem Werk gerne von der „atmenden Fabrik“, denn es ist ein Musterbeispiel an Flexibilität, und zwar vom Design-In, über die Produktion bis hin zur Auslieferung. Erhalten wir beispielsweise eine wichtige Bestellung eines bestimmten Systems, können wir diese vielfach in den laufenden Produktionsprozess einschieben.

Denn wir haben bereits beim Platinendesign auf maximale Kompatibilität der einzelnen Boards geachtet. Natürlich bieten auch wir von der Einsteiger- bis zur High-End-Platine alles an, bei höchster Schnittstellen- und Prozessorvielfalt. Doch wir haben unsere Boards so konstruiert, dass wir innerhalb einer Fertigungsreihe das Bedrucken und Löten bestimmter Leiterbahnen mittels Schablonen unterbinden oder zulassen und so äußerst flexibel auf Kundenanforderungen eingehen können.

Welche Rolle spielen dabei die Mitarbeiter?

Eine wichtige, denn viele wertvolle Optimierungsvorschläge erhalten wir von unseren Mitarbeitern. Die Fertigung wurde übrigens nicht nur hinsichtlich einer optimalen Produktausbeute hin gestaltet, sondern auch das Wohl des Mitarbeiters wurde berücksichtigt. Mit Millioneninvestitionen wurde nach dem Vorbild der Automobilindustrie die Linien- in eine Inselproduktion umgestellt. Der Mitarbeiter erhält so mehr Eigenverantwortung und kann den Werdegang seines Produktes von der ersten Schraube bis hin zum fertigen Gerät verfolgen und verantworten.

Um Fehlerquellen zu vermeiden, finden Sie hier auch so gut wie kein Papier mehr. Auf einem Display erhält jeder einzelne Mitarbeiter die Information, die er für den nächsten Arbeitsschritt gerade benötigt. Ist dieser korrekt ausgeführt, u.U. mit Testläufen, bestätigt der Mitarbeiter dies auf dem Bildschirm. Erst dann folgt der nächste. Unsere Maßnahmen sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch der vergleichsweise teuere Produktionsstandort Deutschland im Wettbewerb mit asiatischen Standorten bestehen kann.

Was zeichnet beispielsweise Fujitsu-PC-Systeme aus?

Sichere Authentifizierungsmethoden etwa für den Zugriff auf Businessnotebooks sind heute unerlässlich. Es gibt hier verschiedenste biometrische Lösungen zur Personenidentifizierung wie der Augen-, Gesichts, Fingerabdrucks-, Stimm- und Unterschriftserkennung. Tests haben jedoch ergeben, dass auch diese Lösungen fälschungs- und diebstahlanfällig sind. Deshalb setzt Fujitsu auf den Scan der Handvenen; wir nennen dieses Verfahren PalmSecure. Da die Venen im Körperinneren liegen und eine Vielzahl von Unterscheidungsmerkmalen aufweisen, bieten sie ein hohes Maß an Sicherheit. Versuche, eine Identität zu fälschen, sind somit nahezu unmöglich.

Sie erwähnten, dass Fujitsu auch eigene Testlabore unterhält. Können Sie dies näher erläutern?

Gerne. Unser akkreditiertes Product Compliance Center in Augsburg ist für die Prüfung von Funktionalitäten und Einhaltung internationaler Standards sowie kundenspezifischer Anforderungen ausgerüstet. Sämtliche Tests werden unter Echtbedingungen durchgeführt. Zusätzlich zu Tests und Messungen veranlassen wir auch die Durchführung von Konformitätszertifizierungen (auf nationaler und internationaler Ebene) und bieten Consulting und Leistungen zur Fehlerbehebung während des Entwicklungsprozesses an.

Wir testen und prüfen auch für Kunden Produktsicherheit, elektromagnetische Verträglichkeit, Klima, Mechanik, Zuverlässigkeit und Geräuschemissionen.

Um welche Services handelt es sich im Detail?

In puncto elektromagnetische Verträglichkeit testen wir, ob die einschlägigen Anforderungen eingehalten werden. Dabei können wir auf jahrelange Erfahrung zurückblicken. So können wir in EMV-CE-Checks dort prüfen, wo es nach unserer langjährigen Erfahrung am häufigsten hakt. Wir bieten etwa Störaussendungs-Prüfungen (nach EN, FCC, VCCI, BSMI, C-Tick, ...), Störfestigkeits-Prüfungen (nach EN, IEC) und Monitor-Strahlungsprüfung, z.B. nach TCO2012.

Ferner bieten wir Messungen in Klimakammern, etwa die Feuchteeinwirkung auf Produkte und Thermografie, also die Ermittlung ausfallgefährdeter Bauteile durch klimatische Beanspruchung. Zudem bieten wir in speziellen Testräumen Schall- und Lärmemissionsmessungen an, komplette normgemäße Schwingprüfungen auf unserem Shaker oder Verpackungstests – und auf Wunsch auch individuell zusammengestellte Prüfpläne.

Ich könnte hier noch einige Dienstleistungen und vertiefende Beispiele nennen. Doch das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. Interessenten finden weitere Details auf der Fujitsu-Seite. Abschließend möchte ich noch ergänzen, dass zahlreiche externe Kunden bei der Entwicklung ihrer Produkte auf unsere technischen Kompetenzen vertrauen. Wir investieren stetig in unsere Fertigung und Testlabore um diese auf aktuellem Stand zu halten.

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