Angemerkt – Nicht der Diesel ist der Skandal

20.08.17 | Autor / Redakteur: Dr. Ulrich Schmidtchen* / Benjamin Kirchbeck

„Die Herausforderung von heute besteht aber nicht darin, den Diesel- oder den Benzinmotor zu verbessern, sondern ihn zu überwinden“, sagt Dr. Ulrich Schmidtchen, vom Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband.
„Die Herausforderung von heute besteht aber nicht darin, den Diesel- oder den Benzinmotor zu verbessern, sondern ihn zu überwinden“, sagt Dr. Ulrich Schmidtchen, vom Deutschen Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband. (Bild: Clipdealer)

Die deutsche Industriepolitik ist im Begriff, eine einmalige Chance zu verpassen: Statt sich mit fragwürdigen kosmetischen Maßnahmen in Bezug auf Dieselmotoren zu beschäftigen, müssen die aktuellen Vorgänge als Sprungbrett in die Zukunft des Verkehrs genutzt werden. Ein Kommentar.

„Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde“, soll Henry Ford gesagt haben. Zum Glück fragte er die Leute nicht. Fragt man allerdings unsere Politiker, was im Hinblick auf die Emissionen der Verbrennungsmotoren zu tun sei, hört man: Software-Updates, Katalysatoren, Beimischungen und andere Pflästerchen und Wässerchen.

Die Herausforderung von heute besteht aber nicht darin, den Diesel- oder den Benzinmotor zu verbessern, sondern ihn zu überwinden. Nur so sind die Klimaziele gemäß dem Pariser Abkommen zu erreichen. Die Treibhausgas-Emissionen aus dem Verkehr sind seit 1990 gestiegen, während sie in allen anderen Bereichen gesunken sind.

Sie müssen aber bis 2030 um mindestens 40 % gesenkt und bis 2050 auf mehr oder weniger Null gebracht werden. Bessere Software schafft das nicht. Und noch so innovative und saubere Verbrennungsmotoren werden das wirtschaftlich effizient auch nicht schaffen.

Die Zukunft bei den Straßenfahrzeugen gehört dem Elektromotor, nicht dem Verbrennungsmotor. Wasserstoff mit Brennstoffzelle und Batterie werden eine verantwortungsbewusste Gesellschaft in Zukunft mobil halten. Deutschland ist in einer ausgezeichneten Position, bei diesem Wandel weltweit die Führung zu übernehmen:

Die deutsche Auto- und Zulieferindustrie verfügt in der Wasserstofftechnologie über das notwendige Können, was sie an zahlreichen Beispielen bewiesen hat. Wir haben weltweit eine der besten Forschungslandschaften, die für weiteren Fortschritt sorgen kann. Deutschland ist einer der besten Märkte für innovative und umweltfreundliche Produkte, die es auf der Welt gibt.

Was fehlt, sind Wille und Mut

Gerade jetzt im Wahlkampf wäre eigentlich die Stunde weitsichtiger und verantwortungsbewusster Politiker gekommen, die der Öffentlichkeit klarmachen, dass die gesamte Mobilität vor einem grundlegenden Wandel steht und dass die Politik diesen einfordern und gestalten wird. Leider warten wir auf solche aufrüttelnden Stellungnahmen bisher vergebens.

Aber worauf wollen wir denn warten, wenn wir heute schon so weit sind, dass die ohnehin recht großzügigen Emissions-Grenzwerte für Dieselmotoren bei vielen Modellen nicht mehr zu erreichen sind und nur noch mit Hilfe rechtlich höchst fragwürdiger Machenschaften der Anschein erweckt werden kann, es ginge?

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44841663 / Politik & Gesellschaft)